Geschichte

Das Bildungs- und Tagungshaus Liborianum vereint historisches Ambiente mit moderner Ausstattung und aktuellsten Bildungs- sowie Hotelstandards. Eine über 400 Jahre alte Geschichte prägt das im Jahr 2020 neu eröffnete und vollständig renovierte Gebäude im Herzen von Paderborn.
Im Dezember 1612 berief der Paderborner Domdechant und spätere Dompropst Arnold von Horst, im Auftrag von Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg, zwei Kapuzinermönche nach Paderborn. Zusammen mit ihnen und der Unterstützung der Jesuiten beabsichtigte der Fürstbischof die Rekatholisierung der Stadt und des Bistums. Der wohlhabende Arnold von Horst stiftete den Kapuzinern ein Grundstück innerhalb der Stadtmauern und ließ dort aus eigenen Mitteln ein Kloster sowie eine Klosterkirche errichten.

 

Bereits vier Jahre später wurden beide Gebäude durch einen verheerenden Brand zerstört. Eine zweite Anlage wurde 1617 auf den alten Grundmauern errichtet und drohte nach etwa 50 Jahren erneut baufällig zu werden. Im Jahr 1673 wurde der Gebäudekomplex daher vollständig abgerissen und 1674 mit einem Neubau begonnen. Der Kapuzinerbruder und Baumeister Ambrosius von Oelde, welcher als führender Gestalter barocker Bauwerke in Paderborn und Münster bekannt war, wurde für die Planung und Bauleitung herangezogen. Zwischen 1681 und 1683 konnte auch die Klosterkirche neu errichtet werden.

Während das Kloster die Zeit des Dreißigjährigen Krieges weitgehend unbehelligt überstand, hatte es in den Schlesischen Kriegen zwischen 1741 und 1763 und ebenso während der Säkularisationszeit schwer zu leiden. Im Jahr 1825 verbot der preußische König, dem inzwischen in einem äußerst schlechten wirtschaftlichen Zustand befindlichen Kapuzinerkloster, die Aufnahme von Novizen. Erst 1834 wurde das Kloster endgültig aufgehoben. Eine Besonderheit in der Geschichte des heutigen Liborianums ist sicher die Einlagerung der so genannten „Aachener Gruppe“ des Reichsschatzes von 1794 bis 1798 im Kapuzinerkloster. Ein Teil des Schatzes wurde zum Schutz vor französischen Truppen in Paderborn in Sicherheit gebracht, bevor er schließlich in die Schatzkammer der Wiener Hofburg gelangte.

Nach einem über 200-jährigen Bestand als Kapuzinerkloster änderte sich die Nutzung des Gebäudes daraufhin mehrfach. Von 1840 bis 1846 betreute Pauline von Mallinckrodt an den heutigen „Kapuzinern 5-7“ die ersten blinden Kinder ihrer späteren Blindenanstalt. Mit Unterbrechungen im Kulturkampf und im Zweiten Weltkrieg diente das Kloster lange Zeit, von 1846 bis 1979 als Knabenseminar der (Erz-)Diözese. Auf Einladung vom Erzbischof und späteren Kardinal Lorenz Jaeger beherbergte das ehemalige Kapuzinerkloster von 1945 bis 2015 ein Konvent der Franziskanerinnen der Ewigen Anbetung aus Olpe.

Im März 1945 wurden Klostergebäude und Kirche während der verheerenden Luftangriffe auf Paderborn schwer getroffen und brannten im anschließenden Feuersturm in weiten Teilen aus. Seit 1979 ist in dem wieder errichteten Klostergebäude mit einer Nutzfläche von mehr als 7000 m² das heutige Bildungs- und Tagungshaus Liborianum untergebracht.

 

Literatur:
Höper, Eva-Maria: Ambrosius von Oelde. Ein Kapuzinerarchitekt des Frühbarock im Dienst der westfälischen Fürstbischöfe, Dülmen 1990.
Höper, Eva-Maria: Ambrosius von Oelde. Ein Kapuzinerarchitekt des Frühbarock in Westfalen, Münster 1992.
Pieper, Roland: Historische Klöster in Westfalen Lippe. Ein Reisehandbuch, Münster 2003, S. 164-165.
Tack, Wilhelm: Die Wiederverwendung eines Barockaltares aus Schildesche in der Kapuzinerkirche zu Paderborn, in: Alte und neue Kunst im Erzbistum Paderborn Jg. 2, 1952, S. 51-54.
Zacharias, Klaus ( Hrsg.): Zur Geschichte des Paderborner Kapuzinerklosters 1612-1834. Das „Jahrbuch der Capuziner in Paderborn“ des P. Basilius Krekeler von 1859 (Paderborner Beiträge zur Geschichte Band 9), Köln 1999.