Synagogale Musik in der Kapuzinerkirche

Ensemble "mendels töchter" zu Gast

(c) Stephan Winzek
Auf Einladung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Paderborn e.V. war das Ensemble mendels töchter aus Münster am 20. Oktober 2013 um 18.00 Uhr in der Kapuzinerkirche mit Synagogaler Musik zu hören.

Das Ensemble mendels töchter besteht aus den drei Dipl.-Musiktherapeutinnen Barbara Keller, Cornelia Klären, Ursula Pfefferle und der Klarinettistin Vanessa Hövelmann. Während ihres Studiums in Münster schlossen sie sich im Jahr 2003 als Ensemble zusammen, um das musikalische Erbe des jüdischen Kantors Erich Mendel zu Gehör zu bringen. Hauptinstrumente der Gruppe mendels töchter sind Klarinette, Violine und Klavier, je nach Stück auch weitere Instrumente. Manche Stücke erhalten mitunter recht freie Zwischenspiele, die teilweise schon kleine eigene Kompositionen darstellen – doch stets im Zusammenhang mit der Aussage der von Mendel vorgegebenen Melodie, unter Verwendung seiner Motive und in Variation der überlieferten Rhythmen.

Ein Psalmwort sagt: „In deinen Toren erwacht mein Lied.“ Das bedeutet für die jüdische liturgische Musik: Sie ist nicht das Werk eines Künstlers oder einer Epoche. Vielmehr entfaltet sie sich aus der Freude am Gottesdienst und der Freude an der Musik in immer neuen Variationen. Ganz ähnlich sind auch die eigenen Kompositionen der Gruppe entstanden.


Mehr über das Ensemble finden Sie unter www.mendelstoechter.de

Erich Mendel (1902 – 1988) hat siebzehn Kompositionen und Bearbeitungen synagogaler Gesänge hinterlassen. Er wurde im münsterländischen Gronau als Sohn von Kaufleuten geboren. Die Familie zog bald nach Herne, wo Erich die jüdische Volksschule und dann das Realgymnasium besuchte. Weil er Kantor und Lehrer werden wollte, ging er 1916 nach Münster. In der Max-Heindorf-Stiftung, der bedeutendsten Ausbildungsstätte für jüdische Lehrer in der preußischen Provinz Rheinland und Westfalen, absolvierte er bis Mai 1921 seine Ausbildung zum Lehrer und Kantor. Obwohl sie unter preußischer Aufsicht stand, galt diese jüdische Ausbildungsstätte als Privateinrichtung und war nicht berechtigt, ein staatliches Lehrerexamen abzunehmen. Erich Mendel musste sich ein zweites Mal prüfen lassen und ging daher im Frühjahr 1922 nach Paderborn, wo er am katholischen Lehrerseminar die 1. Prüfung als Volksschullehrer ablegte. Von 1922 bis 1939 arbeitete er als Kantor und Lehrer in Bochum. Seine besondere Liebe galt der synagogalen Musik.

Nach der Pogromnacht im November 1938 wurde Mendel ins KZ Sachsenhausen deportiert, kurze Zeit später aber wieder entlassen. Über England emigrierte er in die USA, nannte sich nun Eric Mandell und fand eine Anstellung in der Har-Zion-Synagoge und als Lehrer für synagogale Musik am Gratz-College in Philadelphia. Nach dem Krieg versuchte Mendel das Schicksal seiner in Holland versteckten Sammlung zu klären, jedoch ohne Erfolg. Er baute daraufhin seine musikalische Sammlung wieder auf und ergänzte sie um Musik aus den Ghettos und Konzentrationslagern.