Vom Kapuzinerkloster zum Bildungshaus

Skizze des Paderborner Kapuzinerklosters aus dem "Jahrbuch der Capuziner in Paderborn" von P. Basilius Krekeler (1859) (c) Erzbischöfliches Archiv Paderborn
Im Jahre 1612 berief der Paderborner Domdechant und spätere Dompropst Arnold von Horst (gestorben 1630) die Kapuziner nach Paderborn, damit sie zusammen mit den Jesuiten die katholische Erneuerung in Paderborn voranbringen sollten. Er stiftete den ersten Mönchen, die aus Köln kamen, am Stadelhof ein Grundstück, auf dem er eine Kirche und ein Kloster bauen ließ.

 


Beim Stadtbrand 1616 wurden beide Gebäude zerstört, jedoch finanzierte der Domdechant sofort den Neubau und kaufte weitere Grundstücke für einen Klostergarten. Da man bei diesem Neubau die Grundmauern nicht erneuert hatte, waren beide Gebäude um 1670 baufällig. 1673 erfolgte der vollständige Abriss, so dass an dieser Stelle der dritte Bau entstand. Zwischen 1681 und 1683 wurde auch die Klosterkirche völlig neu errichtet. Baumeister war der Kapuzinerbruder Ambrosius von Oelde (+ 1705), der im Dienste westfälischer Fürstbischöfe in Paderborn und im Münsterland tätig war. Weihbischof Nils Stensen weihte die Kirche am 4. Juni 1683. Seit 1626 wurde das Kloster durch eine "Wasserkunst" mit Frischwasser, das man aus der Pader hierher pumpte, versorgt. Der Kump steht heute vor dem Paderborner Franziskanerkloster, während die Brunnenfigur, den stigmatisierten hl. Franziskus zeigend, im Kreuzgang des Klosters verblieben ist.

Die Patres halfen vornehmlich in der Seelsorge aus; so stellten sie seit dem Anfang des 17. Jhs. den Domprediger. Im Kloster befanden sich für einige Jahre ein Noviziat (1624 - 1627) und ein hauseigenes Studium (bis 1801). In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges blieben Kloster und Kirche weitgehend unbehelligt, weil selbst Herzog Christian von Braunschweig (+ 1627) wegen der Armut des Klosters von einer Plünderung absah.

Schwer zu leiden hatte das Kloster dagegen in den Schlesischen Kriegen zwischen 1741 und 1763, als Franzosen und Engländer im Haus logierten. In der Säkularisationszeit wurde das Kloster wegen seiner Armut zum Aussterben verurteilt und daher nicht aufgehoben. Der preußische König verbot 1825, Novizen aufzunehmen. Erst 1834 wurde das Kloster endgültig aufgehoben, jedoch erhielten die verbliebenen Patres ein Bleiberecht.

Die Kirche ist eine "klassische" Kapuzinerkirche, d. h. eine einfache, vierjochige Saalkirche mit einem quadratischen eingezogenen Chorraum und anschließendem tonnengewölbten Oratorium. Unter dem Chorraum befindet sich der Totenkeller, in dem die Kapuziner von 1687 bis 1809 bestattet wurden.

Die Kirche ist Hauskirche des Liborianum. Sie beherbergt eine schöne, aus dem Jahre 1758 stammende Monstranz Augsburger Provenienz. Über dem Klostereingang befindet sich der Wappenstein des Stifters Arnold von Horst.

 


Das Kloster diente nach der Aufhebung zunächst als Knabenseminar der Diözese (1846 - 1979, mit Unterbrechungen im Kulturkampf und im Zweiten Weltkrieg). Von 1840 bis 1846 betreute hier Pauline von Mallinckrodt (+ 1881) die ersten blinden Kinder. Als Besonderheit ist anzumerken, dass im Kloster die sog. Aachener Gruppe der Reichskleinodien von 1794 bis 1798 in Sicherheit gebracht worden war. Von hier gelangten sie in die Schatzkammer der Wiener Hofburg. Seit 1979 ist im Kloster das Liborianum, Bildungs- und Gästehaus des Erzbistums Paderborn, untergebracht. Dazu waren verschiedene Umbaumaßnahmen erforderlich; die größten wurden zwischen 1996 und 1998 durchgeführt. Ein zusätzlicher Eingangsbereich mit Zugang zum Kapuzinerkeller wurde 2011 fertiggestellt.