Die Dame mit Hund

(c) Liborianum
Viele Gäste des Liborianums haben in den letzten Jahrzehnten vor dem stattlichen Gemälde in Raum 8 gestanden, ohne zu ahnen, wer die dort dargestellte Frau mit dem großen Hund zu ihren Füßen ist. Im Rahmen einer systematischen Inventarisierung der Kunstgegenstände unseres Hauses entdeckte vor kurzem der mit dieser Aufgabe betraute Kunsthistoriker Hans Hillermann, dass das Gemälde die Jenaer Bürgerin Clara Rosenthal (geboren 1863) zeigt. Als Jüdin war sie nach 1933 immer schlimmer werdenden Drangsalierungen ausgesetzt und nahm sich 1941 das Leben.

Die Villa, die sie und ihr Mann, der angesehene Jura-Professor Eduard Rosenthal bewohnt und in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts der Stadt Jena vermacht hatten, dient heute als Kulturzentrum. Seit vielen Jahren bemühen sich Jenaer Bürgerinnen und Bürger, die Geschichte der jüdischen Familie Rosenthal zu erforschen und ihr Andenken zu ehren.

Im Zuge dieser Recherchen erfuhr Stephan Laudien, vor vier Jahren erster Rosenthal-Stipendiat und Jenaer Stadtschreiber, dass ein Gemälde des Malers Raffael Schuster-Woldan in der Villa Rosenthal gehangen habe, das die seinerzeit „schönste Frau Jenas“ zeigte. Er entdeckte schließlich in einer Kunstzeitschrift von 1899 ein Foto des Gemäldes, konnte dieses selber aber nicht ausfindig machen. Auf die im Internet veröffentlichten Berichte Laudiens stieß nun im Herbst 2013 Hans Hillermann bei seinen Nachforschungen zum Maler Schuster-Woldan und seinem Gemälde im Liborianum.

Nachdem zweifelsfrei feststand, dass das Gemälde im Liborianum tatsächlich das in Jena gesuchte Bild ist, informierte der Direktor des Liborianums Stephan Winzek den Jenaer Oberbürgermeister Albrecht Schröter und Herrn Laudien über die Entdeckung. Gleichzeitig konnte er die Bereitschaft des Erzbistums Paderborn signalisieren, der Stadt Jena das Gemälde der Clara Rosenthal zu überlassen, damit es seinen Platz wieder in der Villa Rosenthal findet.

(c) Liborianum Auf diese Weise möchten die Verantwortlichen des Erzbistums dazu beitragen, die Erinnerung an eine der bedeutendsten Bürgerinnen Jenas und ihr tragisches Schicksal in der Nazizeit lebendig zu erhalten. Am 18. Februar 2014 empfängt Generalvikar Alfons Hardt in Paderborn den Oberbürgermeister von Jena, Dr. Albrecht Schröter. Gemeinsam werden beide im Liborianum um 16.30 Uhr den Vertrag über die Übergabe des Gemäldes unterzeichnen.

In einer öffentlichen Veranstaltung um 19.00 Uhr im Liborianum sollen das Leben der Eheleute Rosenthal, die Geschichte des Gemäldes und seiner „Entdeckung“ ausführlich nachgezeichnet werden, bevor das Bild dann nach Jena transportiert wird. Dort wird es zunächst in der Ausstellung „Frauenschönheit. Ideal und Wirklichkeit in der Belle Époque“ im Stadtmuseum Jena gezeigt, bevor es seinen endgültigen Platz in der Villa Rosenthal findet.

Das Gemälde befand sich bis 1979 im Waldschloss St. Meinolf am Möhnesee, das das Erzbistum 1947 gepachtet und dann als Bildungshaus genutzt hatte. Bei der Beendigung des Pachtvertrags und der Verlagerung des Bildungsbetriebs nach Paderborn in das Liborianum schenkte der Eigentümer, die von Opelsche Forstverwaltung, dem Erzbistum das Gemälde für die neue Bildungsstätte Liborianum.