Reise des Fördervereins an die Schlösser der Loire vom 19.-27.8.2013

Dreißig Reiseteilnehmer (Mitglieder und Gäste) brechen am Morgen des l9.8.2013 bei strömendem Regen von Paderborn mit dem Bus in Richtung Frankreich auf, wo uns am Spätnachmittag im sonnigen Reims der aus dem Elsass stammende und daher bilingual aufgewachsene französische Reisebegleiter -  Arthur Klausmann - erwartet.  Die Organisation der Fahrt hat erstmals "Oekumene-Reisen" aus der Nähe von Jever übernommen. Wir sind sowohl von dem modernen Reisebus  mit seinem freundlich-zurückhaltenden Fahrer - Herrn Löffler - als auch von Herrn Klausmann mit seiner gekonnten Mischung aus Information, Vorbereitung auf das jeweils zu erwartende Besichtigungsobjekt und gewährter Freiheit bei dessen unmittelbarem  Besuch immer wieder angetan, sodass sich die nachfolgenden Tage als zwar insgesamt etwas anstrendend, aber stets als angenehm und inhaltsreich gestalten. - Zunächst  ermöglicht uns Herr Klausmann eine Begegnung  mit der Kathedrale von Reims und dem weltberühmten "Lächeln" dortiger Figuren.

Ein  Reigen schöner Eindrücke  zieht bei durchweg sonnig-warmem Wetter ans uns vorbei. Nach einem Wiedersehen mit der in den Weizenfeldern der Ile de France auftauchenden Kathedrale von  Chartres, die zurecht wegen ihrer einmaligen Fenster als eine der schönsten Kirchen überhaupt bezeichnet wird, bezaubert uns die natürlich belassene, von weit verzweigten Nebenarmen durchzogene  Flusslandschaft der Loire und der zahlreichen in sie mündenden Gewässer, an denen weitere  Schlösser liegen, die sich aber meistens in Privathand befinden und daher nicht zu besichtigen sind.

Herr Klausmann  stimmt uns in die vom ausgehenden Mittelalter bis zum Absolutismus Ludwigs XIV. währenden Rivaltäten und  Festlandskriege zwischen Frankreich und England ein (Jeanne d`Arc!), die damals das nördlicher und küstennäher gelegene Paris als Residenzsitz französischer Herrscher und des Adels als zu gefährlich erscheinen ließ, sodass sich Mittelfrankreich um die Loire geradezu als Zufluchtsort anbot. Zudem verhießen dort tiefe Wälder eine reiche Jagdbeute.

Chambord mit seinem gewaltigen Baukörper und der kaminreichen  Dachlandschaft sowie Chenonceaux mit seiner Brückgalerie über den Fluss Cher, in dessen Wasser sich das Schloss mit seinen Brückenbögen spiegelt, sind  wohl die baulichen Höhepunkte. Dort müssen wir uns daher auch durch Touristmassen, die offensichtlich einen Abstecher von Paris aus gemacht haben (fotografierende Japaner!), durchkämpfen. Aber auch Blois, Azay-le-Rideau, Cherverny und Villandry präsentieren sich mit ihrem jeweils eigenen Charme. Oftmals begegnen wir reich verzierten Portalen, Kaminen und Treppenhäusern der Spätrenaissance, wobei der geradezu bauwütige König Franz I. zu Beginn des l6. Jahrhunderts vielfach  sein eigenes  Wappentier - den Salamander - in Stein verewigen ließ, meistens begleitet vom Hermelin als Wappentier seiner ersten Gemahlin,  Claudia von Frankreich, einer Tochter König Ludwigs XII. - In der nächsten Generation heiratet Heinrich II. Katharina von Medici, die Tochter  von Lorenzo II.de  Medici.  Damit kommen italienische  Einflüsse nach Frankreich, und Katharina ist maßgeblich am Ausbau und der gegenwärtigen Gestalt des Schlosses Chenonceaux beteiligt.  Zuvor hatte bereits König Franz I. Leonardo da Vinci als damals  größtes europäisches Genie  eingeladen, in Frankreich zu leben. 1516 lässt sich Leonardo, in dessen Gepäck sich u. a. das Bild der Mona Lisa befindet, in Clos Lucé in Amboise nieder, wo er nach regem Gesprächskontakt mit Franz I. am 2.5.1519 siebenundsechzigjährig verstirbt und seine letzte Ruhestätte in der hochgotischen Kapelle auf dem Schlossberg findet.

Wir besichtigen Clos Lucé mit schönem Inventar und einer Leonardo gewidmeten Ausstellung sowie  den umgebenden Gartenanlagen, kapitulieren aber angesichts der  sommerlichen Hitze vor der  Besteigung des  Burgberges und ziehen die ruhige Einkehr in einem schattigen Straßencafé des Ortes vor. Nach den Informationen zum Clos Lucé ist es jetzt nicht mehr verwunderlich, dass der Louvre in Paris zahlreiche Bilder Leonardos, vor allem aber die Mona Lisa besitzt. -Die in Blois und Chambord bewunderten "doppelläufigen" Treppen, die ein gleichzeitiges Begehen ermöglichen, ohne dass man sich sieht oder begegnet, gehen auf Anregung König Franz I. zurück, der sich höchstwahrscheinlich von Entwürfen Leonardos inspirieren ließ. - Obwohl in der Fassadengestaltung wesentlich "trockener",weil stärker vom französischen Klassizismus geprägt, wirkt Schloss  Cheverny auf die meisten von uns wesentlich  anheimelnder, weil die Inneneinrichtung der Räume wohnlicher zu sein scheint. Persönliche Gegenstände lassen zudem den zutreffende Rückschluss zu, dass die Gemächer vor kurzem noch bewohnt waren. Wir erfahren, dass die adligen Eigentümer sich zur Zeit in einen nicht zugänglichen Teil des Schlosses zuückgezogen haben. In der gepflegten Gartenanlage laden Sonnenschirme vor der Orangerie zum gastlichen Verweilen ein.

Herr Klausmann weist uns beim Spaziergang durch das malerische Städtchen Vendôme darauf hin, dass eine Vielzahl von berufstätigen Franzosen in Paris arbeitet, zugleich aber mit ihren Familien in Provinzorten lebt, sofern diese entlang der rasanten TGV-Strecke liegen und der Zug dort hält. Dann werden Entfernungen von 1-1,5 Stunden Fahrtzeit pro Strecke durchaus in Kauf genommen, da die Lebenshaltungskosten in Paris unvergleichlich höher liegen und die Familien, insbesondere die schulpflichtigen Kinder, in der Provinz eine weitaus günstigere, d.h. behütetere Gesamtatmosphäre erleben.

Nach Wein-, Sekt-  und Ziegenkäseverkostungen, einem Besuch in der Abtei Fontevraud und im Höhlendorf Louresse Rochemenier schlendern wir am Sonntagnachmittag durch die bereits herbstlich  bepflanzten Gärten von Villandry. Zwischen kunstvoll gezähmten Buchsbaumhecken leuchten Blumen oder geschickt ausgewählte, weil mit farbigem Laub versehene Gemüsebepflanzungen; bereits gewichtige Kürbisse glänzen aus dem Laub.

Es fällt nicht leicht, von diesem Gottesgarten an der Loire Abschied zu nehmen. In Metz trennen wir uns schweren Herzens von Herrn Klausmann. Über Luxemburg und entlang der Mosel streben wir trotz spürbar dichter werdendem Autobahnverkehr reibungslos den heimatlichen Regionen zu. -

Au revoir Frankreich!                                                                                   Brigitte Brütting