"Kleiner Wandertag" am 24.05.2014

Am Morgen des 24.5.2014 trifft sich eine Gruppe von ca.20 Personen am Haupteingang des Wildwaldes Vosswinkel, wo uns eine „Fremdenführerin“in den nächsten 1,5-2 Stunden durch den angrenzenden Wald begleitet. Als geprüfte Jägerin vermittelt sie wertvolle Informationen auf der „Hirschwiese“ und an der Freiflug-Voliere der Uhus. Zudem erläutert sie die behutsamen forstlichen Maßnahmen in diesem Waldareal, in dem „Totholz“ lediglich markiert und nicht entfernt wird.

Nach einer erholsamen und sättigenden Mittagspause im urigen Restaurant des Wildwaldes begeben wir uns zum „Fresekenhof“in Arnsberg/Neheim, wo uns Frau Dennemark erwartet, um uns durch die dort seit 1992 etablierte Dauerausstellung über den Priester Franz Stock zu führen. Frau Dennemark ist Mitglied des in Arnsberg ansässigen Franz-Stock-Komitees, das sich seit geraumer Zeit um die Seligsprechung von Franz-Stock bemüht, die jüngst in Rom eingeleitet wurde. Dementsprechend berichtet sie mit spürbarer Begeisterung vom Lebenslauf dieses ungewöhnlichen Mannes, an dessen Grab in Chartres wir schon anlässlich unserer Nordfrankreich-Fahrt im Juli 2007 gestanden haben.

Am 21.9.1904 in Neheim als erstes von neun Kindern einer Arbeiterfamilie geboren, reift in ihm schon früh der Entschluss, Priester zu werden. Überschattet wird sein Leben von den beiden verheerenden Weltkriegen, den damit einhergehenden Entbehrungen, von Ungerechtigkeit und Feindschaft, denen er christliche Nächstenliebe entgegensetzt. - Nach seinem Theologiestudium in Paderborn weilt er seit Ostern 1928 in Paris am Institut Catholique, wo er drei Semester studiert und somit in Frankreich der erste deutsche Theologiestudent seit dem Mittelalter ist. Sein Beitritt zu den „Compagnons de Saint François“, den Gefährten des Heiligen Franz, führt ihn nicht nur in ein Leben franziskanischer Einfachheit und Friedfertigkeit, es ist auch der Auftakt zu einer dauerhaft herzlichen Verbindung mit Frankreich, ungeachtet der mit dem Nationalsozialismus heraufziehenden Konflikte, die im Zweiten Weltkrieg münden. 1934 wird Franz Stock Rektor der Katholischen Deutschen Gemeinde in Paris, die er bis auf kurze Unterbrechungen fast durchgängig bis zum Kriegsende betreut. In die erbarmungslosen Mühlen der Kriegsmaschinerie gerät er Anfang 1941, als er zusätzlich die Betreuung Inhaftierter in den Pariser Gefängnissen Fresnes, La Santé und Cherche Midi übernimmt. Als offizieller Standortpfarrer im Nebenamt steht er dort zunehmend französischen Gefangenen (bis 1944 etwa 11.000) bei und begleitet die zum Tode Verurteilten auf ihrem letzten Weg. Nach seinen eigenen Tagebuchaufzeichnungen muss er 863 Erschießungen, höchstwahrscheinlich aber erheblich mehr, mitansehen. - Im Sommer 1944 widmet sich Franz Stock im Hospital la Pitie 600 Verwundeten, die nicht mehr transportfähig sind. Er bleibt an ihrer Seite, als die Amerikaner das Lazarett übernehmen und wird damit selbst zum Kriegsgefangenen. Auf Bitte der Franzosen leitet er bald darauf in Chartres ein Seminar mit zuletzt 160 kriegsgefangenen deutschen Priesteramtskandidaten. In dieser Zeit wird er dort wiederholt vom damaligen Apostolischen Nuntius Roncalli, dem späteren Papst Johannes XXIII., besucht. Als Franz Stock am 24.2.1948 mit noch nicht 44 Jahren im Hospital Cochin in Paris stirbt, nimmt Nuntius Roncalli anschließend selbst die Einsegnung vor. Auf seinem eigenen Sterbebett unterschreibt der spätere Papst am 16.06.1963 noch einen Segen anlässlich der endgültigen Beisetzung von Franz Stock in der Kirche St-Jean-Baptiste in Chartres. Als das Schreiben an seinem Bestimmungsort eintrifft, ist der Papst selbst bereits gestorben. Spätere deutsch-französische Gedenkfeiern, zuletzt 1998 zum 50.Todestag von Franz Stock, münden in den Aufruf zur Versöhnung, Völkerverständigung und Friedfertigkeit.

Den gemeinsamen Wandertag beschließen wir im nahegelegenen “Rodelhaus“, wo uns u.a. eine Spezialität des Hauses - frische, noch warme Waffeln mit Kirschkompott, Sahne und Vanille-Eis -, serviert werden.

 

Brigitte Brütting